Kropotkin

Pjotr Alexejewitsch Kropotkin

Theoretiker | 1842

Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin geboren am 9. Dezember 1842 in Moskau, gestorben am 8. Februar 1921 in Dmitrow, war russischer Anarchist, Geograph und Schriftsteller. Er kämpfte für eine gewalt- und herrschaftsfreie Gesellschaft und gilt als einer der einflussreichsten Theoretiker des kommunistischen Anarchismus.

Er beschäftigte sich schon in frühen Jahren intensiv mit der Französischen Revolution. Interessiert an liberalen und republikanischen Tendenzen, betätigte sich Kropotkin, nach der Aufhebung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II., als Lehrer in Sonntagsschulen, die zur Bildung der ehemaligen Leibeigenen und dem Kampf gegen den Analphabetismus gegründet wurden. Als page de chambres des Zaren lernte er den Zaren persönlich kennen und seine anfängliche Begeisterung für den Befreier der Leibeigenen führte bei Kropotkin bald zu einer Ernüchterung als er erkannte, dass die Reformen den Leibeigenen zwar persönliche Freiheit, sie jedoch wirtschaftlich in finanzielle Abhängigkeit der Gutsherren brachten. Durch den Schriftsteller Michail Larionowitsch Michailow erhielt er Zugang zu den Ideen des Anarchismus und wurde durch die Werke von Pierre-Joseph Proudhon zum Sozialisten.

Kropotkin wurde 1874 verhaftet, nachdem er von einem der Teilnehmer seiner geheimen Diskussionskreise für Arbeiter verraten wurde. Nach zwei Jahren Haft, konnte er fliehen und lebte zunächst in England. Ende 1876 reist er in das Schweizer Juragebiet, da er in der schwachen englischen Arbeiterbewegung kein befriedigendes Betätigungsfeld fand. Im damaligen ideologischen Zentrum des europäischen Anarchismus begann er eine rege Aktivität, und er wandelte sich in dieser Zeit zum kommunistischen Anarchisten.

Kropotkin vertrat in der Folgezeit bei bestimmten Fragen zunehmend andere Standpunkte als die Mehrheit der Anarchisten. Insbesondere bei der Frage, wie sich Anarchisten bei einem Kriegsfall zwischen Deutschland und Frankreich verhalten sollten. Er war davon überzeugt, dass Anarchisten sich in einem Krieg auf Seiten der Franzosen beteiligen sollten, da sich durch einen Sieg Deutschlands die autoritären Tendenzen auch in der Gesellschaft durchsetzen würden. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte sich Kropotkin offen für eine Beteiligung der Anarchisten auf Seiten der Entente-Mächte gegen das Deutsche Reich stark. Die große Mehrheit blieb allerdings antimilitaristisch eingestellt und es kam zum Bruch zwischen der Mehrheit der anarchistischen Bewegung und Kropotkin.

Nach der Februarrevolution kehrte er im Juni 1917 nach Russland zurück und sprach sich dafür aus, den russischen Einsatz im Ersten Weltkrieg weiterzuführen was dazu führte, dass auch die Mehrheit der Anarchisten in Russland sich gegen ihn wandte. Alle Angebote der provisorischen Regierung sich an der neuen Regierung zu beteiligen und später auch der Bolschewiki ihn zu unterstützen lehnte Kropotkin als überzeugter Anarchist ab. Er verstarb am 8. Februar 1921 und seine Beerdigung am 13. Februar wurde zur letzten großen Demonstration anarchistischer Kräfte in Sowjetrussland.

    "Kropotkin" in "Tage der Kommune":