Zum Gedächtnis der Pariser Kommune

Bei des Lenzes erstem Gruße
Denken wir der großen Zeit,
Da am fernen Seineflusse
Sich das arme Volk befreit,
Da die Göttin der Kommune
Auf die Weltenbühne trat,
Freiheit bringend, fordernd Sühne
Für der Mächtigen Verrat.

„Gleiche Pflichten, gleiche Rechte!“
Diese Losung, stolz and klar,
Rief ins Toben der Gefechte
Kampfbereit der Proletar.
Seines roten Banners Falten
Flatterten im Pulverdampf,
Treu die Fahnenwacht gehalten
Hat er im Verzweiflungskampf.

Nicht gedrillte Söldnerscharen
Kämpften hier, weil sie gemußt,
Die Kommunestreiter waren
Ihres Zieles sich bewußt;
Und es kämpften auch die Frauen
Von der Mordschlacht rings umloht
Erst in hoffendem Vertrauen
Dann um ihren Heldentod

Und ihr wolltet sie verdammen
Weil, als die Kommune sank
Sich ein Purpur, Blut und Flammen
Noch um ihre Schultern schlang?
Weil des Volksheers letzte Reste
Euch nicht ließen leichtes Spiel
Weil gesunken ihre Feste
Stolz, wie einst Karthago fiel

Nein, die Helden muß man ehren
Die so treulich hielten stand
Ihrem Ziele, ihrem hehren
Bleibt das Streben zugewandt
Und wenn einst die Fahnen fliegen
Wiederum im Frühlingswehn
Wird der Volksgeist nicht erliegen
Die Kommune wird erstehn!

Max Kegel, 1878

B2: Deutsche Lieder - noch zu vertonen | Lieder | 1878