An Euch, Pariser Brüder!

Ihr Seine-Brüder! Rot von Blut
ist es auf euren Straßen
Gehalten habt ihr tapfer euch
ein jeder muß es sagen
Für uns habt ihr gekämpfet mit
für uns habt ihr gerungen
Die rote Fahne in der Hand –
und wiederum bezwungen!

Schon einmal wart die ersten ihr _
vor dreiundzwanzig Jahren
Heut wiederum voran im Kampf
im Kampf gen die Cäsaren
Der Freiheit Feinde allerorts
sie freun sich eures Falles
Gemordet und erschossen ihr
von Mördern aus Versailles

O welch ein Stolz für euch und uns
für alle Sozialen
Zwei Monden habt gehalten ihr Paris
vor den Vandalen!
Vernichtet habt ihr in der Zeit
die Herrlichkeit der Großen
Der Arbeit gabet ihr ihr Recht
die Armut muß euch loben!

Ihr habt des Volkes Wohl gewollt
euch war Mammon nicht heilig
Ihr glaubtet an kein Vaterland
Paris war wiedrum einig

Frei Menschentum war eur Panier
ihr edelen Pariser
Ihr standet auf der Höh der Zeit
ihr schlugt die Pfaffenhyder
Ein leuchtend Vorbild gabet ihr
für alle Unterdrückten
Die Hoffnung nahmt ihr mit ins Grab
dass wir dereinst doch siegen

Pariser! Euer Todesschrei
er braust durch alle Länder
Gehöret wird er überall
zur Flamme wird der Bränder
Es glühet in der Asche fort
die Glut ist nicht zu löschen
Bald bricht der Brand von neuem aus
um furchtbar euch zu rächen!

Es glüht, es zuckt der Proletar
er knischt, weil er gefesselt
Der Kaiser-, Pfaffen- Geldaltar
allüberall hohnlächelt
Ihr toten Brüder von Paris!
Das Rad der Zeit rollt schneller
Eur Todesröcheln, euer Ruf
ertönen immer greller

Und mischen sich mit manchem Schrei
von der Brigittenau, von Wien
Von Frankfurt, Dresden, Mannheim,
Rastatt, Friedrichshain, Berlin
Für freies gleiches Menschenrecht
starb mancher brave Kämpe –
Der sozial-demokrat’sche Staat
bald kommt er, der ersehnte!

Drum Schlafet wohl in Mutter Erd
bis wir ihn euch erkämpfen
Ihr brachtet uns das Morgenrot –
bald wird die Sonne glänzen

Magdeburg, den 5. Juni 1871
Ein deutscher Soldat
in: „Der Volksstaat“, vom 14. Juni 1871

in: Die Pariser Kommune im Deutschen Gedicht (1958)

D: Poesie und Prosa ohne Musik | Lieder | 1871