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Festgebimmel und Kanonen!
Ganz Paris ist weihrauchsatt.
Spukgestalten mit Galonen
Pauken durch die Nebelstadt.
Welch ein Zug von Vorwelttieren,
Tattergreisig, lahm, verrunzt!
Seht das Kaiserreich marschieren,
Paradieren durch den Dunst!
Ach, wie alt ist die Reklame!
Wie der alte Prunk sich bläht,
In der alten Notre-Dame
Zu dem alten Herrgott fleht
Dass der Narr sie Lang regiere.
Und der Bauch der Börse grunzt.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst!
Die Armee, ein Jahrmarktswunder!
Generäle machen Staat.
Epauletten, Federplunder!
Ja, es lebt sich vom Verrat.
Himmel, diese goldnen Schnüre!
Dafür hat man uns verhunzt.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst!
Platz dem hohen Richterstande
Der bewies, das Volk sei frei
Und dass legitim im Lande
Nur der Herr Diktator sei!
Denn fur solcherlei Papiere
Haben sie jetzt Cäsars Gunst.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst!
Seht, jetzt kommt das halsbestickte
Akademische Gewürm,
Das den jungen Geist zerknickte.
Ratten hinterm Ofenschirm,
Fordern sie, dass man kastriere
Wissenschaft, Kultur und Kunst.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst
Weiter, bleiben wir im Bilde:
Auch die Bank spürt neue Kraft
Hier marschiert die Fälschergilde
Ehrenwerter Kaufmannschaft.
Diese aufgeschwemmten Tiere
Stehn in ganz besondrer Gunst.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst
Ja, natürlich, fur dergleichen
Hat auch Rom sich engagiert.
Denn es wird in solchem Zeichen
Jeder Staatsstreich sanktioniert.
Auch die Kirche kriegt das Ihre
Für den Aufwand heiliger Brunst.
Altes Kaiserreich, marschiere,
Paradiere durch den Dunst!
Aber einmal wird sich zeigen
frei der Geist vom alten Wahn.
Einmal wird der Nebel steigen,
Und die Sonne bricht sich Bahn.
Und die aufgedunsnen Leichen
Lumpen, zum Gespött verhunzt,
Werden wie das Reich entweichen
Und verrauchen mit dem Dunst!
Erich Weinert (1951)
nach dem französischen Original-Text von Eugéne Pottier vom Januar 1852, „Für den Bürger Petit-Pierre“
