Ein trüber Morgen zieht herauf (Exekution)

EXEKUTION

Ein trüber Morgen zieht herauf
Von Nebel ist Paris erfüllt
Doch trüber ist die Wolke,
die der guten Bürger Stirn umhüllt

Wehrlos zu Hause grollen sie.
Sie konnten draußen in dem Tal
Dreitausend Bajonette blitzen sehn
im ersten Morgenstrahl

Was steht ihr Sklaven, Schergen ihr
die hinter Frankreichs Henkern gehn
Schandbuben ihr, so schaut nur hin!
Hier konnt ihr Männer sterben sehn

Ihr Aug ist hell, ihr Blick ist stolz
es trübt kein Hauch die freie Stirn
Die Salve kracht. Hinstürzen sie
drei Kämpfer, mit zerschelltem Hirn

Die Salve kracht. Hinstürzen sie
Es zuckt Paris bei diesem Ton
Und über einen neuen Mord
schamlos aufjauchzt die Reaktion

Doch triumphiert nicht! Schaut ins Aug
dem Volk, schaut ihm ins Angesicht!
Der finstre Schmerz, die finstre Wut
sie mahnt euch: triumphieret nicht!

Und wenn wir jetzt noch starr und stumm
ohnmächtig zähneknirschend stehn
Knieschlotternd werdet wiederum
ihr unser Banner wallen sehn

Denkt an die Pontons, an Cayenne
an die Galeeren! Zahn um Zahn
Sagt die Kommune. Kennt ihr wohl
bei Satory den blut’gen Plan?

Kennt ihr die Orte alle noch
die Stätten eurer Henkerswut?
Denkt ihr an unsrer Freunde Qual?
Denkt ihr an unsrer Brüder Blut? —

Genug! Die unterdrückte Wut
presst mir die Brust, so daß sie stöhnt.
Der Worte genug! Es folg‘ die Tat!
Ihr habt uns Blut zu sehn gewöhnt

Wir wolln euch Schurken sterben sehn
und zittern bei der Todespein
Das ist der Rache blut’ger Tag
Wir wissen: sie wird furchtbar sein.

Verfasser (Übersetzer) unbekannt, 1871
„Der Volksstaat“ vom 9. Dezember 1871 — „Vorwärts! Eine Sammlung …. “ S. 435
Einer der ersten Versuche, französische Gedichte auf die Kommune den deutschen Arbeitern nahezubringen.

Lieder | zunächst Reserve | 1871