La Mort d’un globe (Tod eines Planeten)

Am tiefen Himmel, wo die Sterne schwimmen
Auch unser Auge mit den Sternen schwimmt
Zuweilen doch geschieht es, daß die Stimmen
Der Ewigkeit des Geistes Ohr vernimmt
Du Himmel voll Gestirne zeigst uns wieder
Daß du beseelt und fühlend bist. Denn seht
Die Liebe einigt alle Flammenbrüder
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht

Er drehte sich im stolzen Gleichgewichte
Und kein Geschöpf an Hunger je verkam
Der Mensch, der frei war, konnte seine Früchte
Im Überfluß genießen, ohne Scham
Doch stahl ein Diebsgeschlecht uns Frucht und Kerne
Und ließ verfaulen, was die Welt gesät
Sein Wahnsinn aber stinkt bis an die Sterne
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht

Mit Strömen Bluts müßt ihr den Krieg bezahlen
Mit noch mehr Blut bezahlt ihr die Idee
Wie Menschenfleisch ernährt den Kannibalen
So nährt vom Menschenfleisch sich der Bankier
Das ist der Henker, der in blutgen Händen
Die arme Erdenkugel wägt und dreht
Um seinem finstren Gott sie zu verschwenden
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht

Und doch — die alten Träume uns erfüllen
Wer wollte aus der Lust am Dasein fort
Es braust aus dem Gewühl der Menschenwillen
Der Leidenschaften göttlicher Akkord
Vergebens, arme Seele! Sie gebrauchen
Das Henkerbeil als christliches Gerät
Prometheus darf nur noch auf Stümpfen krauchen
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht

Ein Schluchzen schallt durch alle Himmelreiche
Als letzter Schrei am Tage des Gerichts
Die Ewigkeit zerstäubt die Riesenleiche
Und bläst die Hülse in das leere Nichts
Leer wird das Weltall sein nach den Gewittern
Und letzter Wirbelrauch der Welt verweht
Plejadenhimmel, voll von Knochensplittern
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht

Text: Eugène Pottier (1849, Jouy-en-Josas)
dt. Text: Erich Weinert (1939)
Musik: Jürgen Tamchina (1979)

Jens-Paul Wollenberg: Tod eines Planeten


La Mort d’un globe

Aux mers d’azur où nagent les étoiles,
Notre oeil de chair se noie en se plongeant,
Mais l’infini parfois lève ses voiles
Pour notre esprit, cet oeil intelligent.
Peuples du ciel, les astres ont une âme,
Leur tourbillon peut jouir ou souffrir,
L’amour unit tous ces frères de flamme :
Pleurez, soleils, un globe va mourir !

Il pivotait dans son noble équilibre,
Pour que jamais on n’y connût la faim.
L’homme groupé pouvait, heureux et libre,
Tirer de lui des récoltes sans fin.
Mais ses erreurs ont causé ses désastres,
Sous la contrainte il s’est laissé pourrir,
De son typhus il gangrène les astres,
Pleurez, soleils, un globe va mourir !

Fleuve de sang, la guerre s’y promène,
L’Idée y porte un bâillon outrageant,
L’anthropophage y vit de chair humaine,
De chair humaine y vit l’homme d’argent.
C’est le bourreau qui, dans ses mains infâmes,
Porte ce globe et qui semble l’offrir
Au Dieu vengeur, au dieu bourreau des âmes,
Pleurez, soleils, un globe va mourir !

Pourtant le code est écrit dans nos veines ;
L’attrait conduit les esprits et les corps.
Du grand concert des volontés humaines
Les passions sont les divins accords.
Non, le poids ment ! l’âme à tort se dilate,
En amputant la hache croit guérir :
De Prométhée on fait un cul-de-jatte !
Pleurez, soleils, un globe va mourir !

On entendra comme un sanglot qui navre,
Dernier soupir du condamné géant,
L’Éternité prendra ce grand cadavre
Pour l’enfouir aux fosses du néant.
Les univers, au sein des nuits profondes,
Cherchant ses os les pourront découvrir
Au champ de lait, cimetière des mondes.
Pleurez, soleils, un globe va mourir !

Jouy-en-Josas, 1849.
in: Chants révolutionnaires (1887)

“La Mort d’un globe” wurde sowohl von Walter Mehring (1924) als auch von Erich Weinert (1951) nachgedichtet.

“Ein Blutstrom, hat der Krieg das Land durchmessen / In einen Schraubstock ist Idee gespannt / Wie Kannibalen von eklem Menschenfressen / Von Menschenfraß nährt sich der Spekulant / Das ist der Henker mit infamen Händen / Der diesen Erdball hält und es versteht / Dem Seelenhenker Gott ihn zuzuwenden / Weint, Sonnen, es verendet ein Planet!” (Walter Mehring, Ausschnitt)

A: Bereits übersetzte Lieder | Die Lieder der Commune | 1849