Seht, wie dies Haus vom Golde strotzt,
Bewundert wird und angeglotzt
Und läßt doch seine Fäulnis spüren!
Der Keller dumpf, die Mauer bricht!
Es lohnt die Renovierung nicht!
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach! –
Man muß es schleunigst demolieren! –
Ein Herr Bankier im Entresol –
Saugt sich von dort zum Platzen voll
Aus Land— und Industriepapieren.
Was er erwuchert bei dem Kauf,
Häuft sich schon bis zur Decke auf
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muß es schleunigst demolieren!
Im ersten Stock ein Spekulant
Hat Pächter á la baisse an Hand,
Die Kehle ihnen abzuschnüren!
Die Mauer platzt von Hamsterbrot! “
Er lauert auf die Hungersnot!
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muß es schleunigst demolieren!
Ein Fräulein „unbezahlbar“ schön
Versteht mit Herren umzugeh’n
Mit Eleganz zu animieren!
Konzert und Ball die ganze Nacht,
Daß alles in den Fugen kracht
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muB es schleunigst demolieren!
Darüber lastet ein Bankier
Er treibt seit Jugend dies Metier!
Er ißt und trinkt und geht spazieren,
Neppt Steuern biedern Angesichts,
Nährt sich in Frieden ——- leistet nichts!
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muß es schleunigst demolieren!
Doch unterm Dache im Verschlag
Haust eingepfercht das Menschenpack!
schon liegt der Vater am Krepieren!
Und durch zerfallenes Gestein
Der Tod zieht mit dem Nordwind ein!
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muß es schleunigst demolieren!
Und unten steht als Schutz davor
Ein armer Kerl vom Gardecorps,
hundsmüd’ vom ew’gen Exerzieren.
Es schützt, was sich nicht schützen läßt,
Die Wache dieses Geiernest!
Dies Haus: vom Grunde bis zum Dach
Bröckelt es altersschwach!
Man muß es schleunigst demolieren!
Originaltext: Eugene Pottier
deutsche Übersetzung: Walter Mehring
