Die Revolution

Wie je ein Volk die tiefe Schmach empfand
Die tiefe Schmach der feigen Sklaverei,
Wo es sein Joch zerriß mit wildem Schrei,
Das ein Despot auf seinen Nacken band

Wo freier Geist aus dem Gewölke bricht
Der freie Geist, der alle Herren haßt,
Der Alt und Jung mit gleichem Drang erfaßt
Und weiterschwillt zu Freiheit und zu Licht

Wo wahrer Dichter eiserner Gesang
Den Grimm der Männer in die Waffen ruft
Wo auf der toten Heldenväter Gruft
Erschallt der Trommel- und Trompetenklang

Wo Weib und Mann zum allerletzten Streit
Die Barrikade türmen hoch empor,
Wo Held und Held zur roten Fahne schwor ,
Wo nach dem Schwerte griff die zarte Maid

Wo Glocke heult und dumpf der Wirbel tönt,
Geschüße krachen und Paläste loh’n ,
Der Gleichheit Banner weht vom morschen Thron ,
Der Gleichheit junge Göttin ist gekrönt

Wo Alles nach dem einen Ziele drängt:
Durch Kampf und Tod zum Erdenparadies
Und wo im Sterben wunde Kämpfer süß
Der hohe Geist mit schönem Trost umfängt

Da lebt und strebt mit seinem Freudenlohn
Mit freiem Sinn und hellem Siegeslied ,
in rotem Blut zu heilgem Haß erglüht,
Das Donnerwort der Revolution

B. Justinus
in Sturmvögel (1888)

 

D: Poesie und Prosa ohne Musik | Lieder | 1888