Die Soldaten der Verzweiflung

Betäubt noch vom Donner die Stirne
Der Salven, die gestern gekracht,
Sah heut‘ ich im kranken Gehirne,
Als alles fröhlich gelacht,
Soldaten zieh’n in die Schlacht.

Das waren kühne Gestalten ;
Zum Kampfe sah ich ja gehn
Die Soldaten der Verzweiflung –
Sie waren so schön zu sehn !

Es war von diesen Soldaten
Ein jeder ein Proletar,
Die arm aus der Hütte traten
Zerrissen , der Schuhe bar
Deren Obdach ein Boden war!

Es tragen rußige Kleider
Und Hüte von schlechter Form
Die Soldaten der Verzweiflung,
In Lumpen als Uniform!

Sie lagerten sich auf Steinen ,
Und redeten Worte von Erz
Was Furcht! Sie fürchten keinen
Sie haben ja Alle ein Herz,
Das lenkt sie in Jammer und Schmerz

Und quält sie das ferne Gebrause,
So fliehe schnell der Despot
Die Soldaten der Verzweiflung,
Vom Hunger geführt in den Tod!

Weh’, gestern zogen die Krieger
Zum Bürgerkampf in den Tod !
Ich wette, dass manchem der Sieger,
Weil er die Brüder bedroht,
Als Lohn ein Kreuzchen man bot.

Doch nach dem blutigen Jagen
Hat keiner wohl auf der Brust
Des Soldaten der Verzweiflung
Ein Kreuz zu finden gewußt !

Verbannung – schreckliche Kunde !
Sie sprachen , als Kampf uns kam :
,Wir sterben lieber zur Stunde
Durch’s Blei, als durch Hunger und Gram
Oder bettelnd demütig und zahm !“

Du, das die Kugel zerfleischte –
Du gabst, o schönes Paris ,
Den Soldaten der Verzweiflung
Nichts , als ein Grabesverließ !

Schleppt nur zu Gefängnis und Frohne
Den Mann mit trotzigem Blick –
Doch denkt: es bleibt in dem Sohne
Ein Rächer dem Vater zurück
Das ist sein Recht und sein Glück!

Die Waisen werden euch fluchen ,
Und groß wird einstens der Sproß
Des Soldaten der Verzweiflung —
Dann zittert in eurem Schloß !

Nichts habt ihr dem Armen gelassen ,
Zerschlagen den Freiheitsbaum
Doch nehmt ihr ihm nimmer das Hassen,
Seiner Nächte süßesten Traum ! —
Vorwärts ! der Geschichte Raum !

Nemesis , höre sein Flehen ,
Und schirme den heiligen Strauß
Des Soldaten der Verzweiflung
Für sein verödetes Haus !

Original-Text: Gustave Leroy (1848)
deutscher Text in Sturmvögel, vielleicht von Johann Most übersetzt ?

Die Grenzgänger: Die Soldaten der Verzweiflung

Soldats Du Desespoir

 

B2: Deutsche Lieder - noch zu vertonen | Lieder | 1875