Sohn der Gosse (La filse de la fange)

Da schiebt sie hin, zerzaust, versoffen
Erst siebzehn Jahr, und schon versaut.
Zerfranst der Rock, die Bluse offen,
die Brust ein leeres Säckchen Haut.
In Pennen hat sie ihre Bleibe,
von jedem Saufsack heimgesucht.
doch seht: der Bauch steht ihr vom Leibe.
Das Kind ist schwanger. Gottverflucht !

Schon im Schoß verloren
Eh dein Tag beginnt —
Wirst du nicht geboren
Wie ein andres Kind?

Kind, deine Mutter geht als Schneppe;
Da bist du nur ein Beigeschmack.
Und herzlos auf die Findeltreppe
Legt sie dich armen Eitersack.
Dein Vater wollt sich nicht vermehren;
Ein Irgendwer gab ein paar Sous
Und machte dich, sich zu entleeren;
Und was zurückblieb, das warst du.

Du kramst in stinkenden Behältern
Und säufst dich blöd, du armer Hund
Und gehst den Weg wie deine Eltern
Als Strolch, als Dieb, als Vagabund.
Du absolvierst die höchsten Grade
Als Messerheld und Hurenschatz
Und sicherst dir in der Parade
Des Albums deinen Ehrenplatz.

Du, der vom Leben Ausgespiene
du Bruder ohne Glück und Huld,
Schleppt man dich auf die Guillotine,
Wir tragen mit an deiner Schuld.
Von Kind auf du des Drecks Genosse —
Was weißt denn du von Recht und Pflicht!
Ach, flög der Schlamm aus deiner Gosse
Den Sittenrichtern ins Gesicht!

Schon im Schoß verloren,
Eh dein Tag beginnt —
Warst du nicht geboren
Wie ein andres Kind?

Original-Text von Eugéne Pottier (o. J.).
Nachdichtung: Erich Weinert (1939)
Musik: Manfred Maurenbrecher

Manfred Maurenbrecher: Der Sohn der Gosse
Manfred Maurenbrecher spielt “Der Sohn der Gosse” von Eugène Pottier

La filse de la fange

A Lucien-Victor MEUNIER, auteur des Clameurs du pavé.

Elle traîne à demi rongée
Sa vieillesse de dix-sept ans ;
Sa robe de haillons frangée,
Ses bas troués, ses seins pendants.
Du tapis franc, c’est la femelle.
Eh quoi ! cette éponge à vin bleu,
Cette fille, cette femelle,
Elle est enceinte ! ah ! nom de Dieu !

Pauvre petit être
Que rien ne défend,
Eh quoi ! tu vas naître
Comme un autre enfant ?

Ta mère, inscrite à la police,
Lasse de sa maternité,
Va mettre bas dans un hospice
Ta jeune âme et ton sang gâté.
Tu ne sauras rien de ton père :
Le vice en rut, le hasard gris,
Un soir, ont payé pour te faire,
Quelques sous pleins de vert-de-gris.

Maraudant l’ordure à la halle,
T’abrutissant par l’alcool,
Tu seras l’enfant de la balle,
Du vagabondage et du vol.
On t’ouvrira le séminaire
De l’escarpe et du chourineur,
Des élèves de Lacenaire
T’enseigneront le point d’honneur.

Au crime tout te prédestine.
Frère ! les mains rouges de sang,
Si tu meurs sur la guillotine,
Nul ne s’en peut croire innocent.
Tu vas où ton milieu te pousse,
Fils de la Fange, sang gâté,
Ah ! qu’au moins ta vie éclabousse
Le front de la société !

Pauvre petit être
Que rien ne défend
Eh quoi ! tu vas naître
Comme un autre enfant ?

Die Lieder der Commune | 1880